Franz Mostert †


Mit seiner Familie und seinen Freunden musste auch der Rheinbacher Landsturm im Jahre 2007 von seinem Mitbegründer und jahrzehntelangen Mitglied Franz Mostert Abschied nehmen. Um eines klarzustellen: Franz Mostert war bestimmt kein Heiliger; er war, wie wir alle, mit menschlichen Fehlern und Schwächen behaftet. Aber gerade deshalb glauben wir, dass er bestimmt nicht zufällig von uns Landstürmern, aber auch von ungezählten anderen Rheinbachern meistens und am liebsten als „Fränzchen“ bezeichnet wurde, egal ob man über ihn oder mit ihm sprach. Denn diese verniedlichende Verkleinerungs- und Koseform mit der wir ihn anredeten, verdeutlicht gewissermaßen auf einen Blick die Ausstrahlung seiner Person und seiner Persönlichkeit. In der Anrede „Fränzchen“ kommt nämlich zweierlei zum Ausdruck: einerseits die Liebenswürdigkeit und die Freundlichkeit, die von ihm ausging, und andererseits die Sympathie und die Vertrautheit, die ihm deshalb von aller Welt entgegengebracht wurden.

Natürlich ist aus der Sicht des Landsturms besonders die Rolle erwähnenswert, die Fränzchen Mostert über Jahrzehnte im Rheinbacher Karneval und im Bereich des Brauchtums gespielt hat. Er verkörperte nach dem 2. WK das erste „Funkemarieche“ seiner Heimatstadt und war seitdem ununterbrochen und in den verschiedensten Funktionen für den Fastelovend tätig, ohne jemals „Funktionär“ zu sein.

Und was er für den Rheinbacher Landsturm bedeutet hat, ist kaum in Worte zu fassen. Wer Fränzchens Abschied vom aktiven Bühnenleben des Landsturms im Februar 2006 miterlebt hat, wer ihn in Erinnerung hat, wie er dabei drei Abende lang von einem jeweils vielhundertköpfigen Auditorium begeistert und zugleich voller Rührung gefeiert worden ist, wer gesehen hat, wieviele Tränchen bei dieser Gelegenheit offen oder verstohlen weggewischt werden mussten, der weiß, was wir meinen.
 

Freilich - bei aller Freude an spaßiger Unterhaltung, an deftiger Mundartpflege usw. war Fränzchen Mostert doch eher ein Mann der leisen Töne. Alles auftrumpfende Gehabe, alles Marktschreierische und Angeberische war ihm fremd, ja zuwider. Und wenn er auch, wie wir alle wissen, zu unterhalten wusste, so tat er dies doch auf eine sehr „verschmitzte“ Art, in zurückhaltender Weise und mit formvollendetem Benehmen. Kurz: Wenn’s darauf ankam, war er, wie man so sagt, ein „soignierter Herr“, ein „Gentleman“, der neben Sympathie auch Respekt verdiente und erhielt.

 

Damit sind wir bei einer weiteren Facette seiner Persönlichkeit: Denn warum sollte man verschweigen, worüber wir uns in all den Jahren so gefreut haben: dass nämlich Fränzchen auf seine Weise ein „Schmecklecker“ war. Nicht etwa, dass er das Geld hinausgeworfen hätte, im Gegenteil: die eng um ihn waren, wissen, dass er eher knauserig war. Aber er war ein Genießer, ein stiller Genießer freilich, weil ihm, wie oben gesagt, das Auftrumpfen nicht lag. Wenn es je eine Verkörperung der Redensart „Der Kavalier genießt und schweigt“ gegeben hat, dann war es wohl er. Und keiner hat mehr als er der Aufforderung des Karnevalsliedes entsprochen: „Trinkst du mal Wein vom Rhein, gib acht auf den Jahrgang...!“ - alles liebenswerte Züge eines Mannes, der uns gezeigt hat, „wie man sein Leben genießen kann, ohne sein Gesicht zu verlieren“!


Das Genießerische verband sich für ihn in den letzten Lebensjahrzehnten auch mit seinem „Reit- und Fahrstall Mostert“, aus dem dann als Frucht eines jahrzehntelangen leidenschaftlichen und emsigen Sammelns und Restaurierens sein Rheinbacher Kutschenmuseum hervorging. In diesem Zusammenhang sei an das Jahr 1998 erinnert, als Fränzchen Mostert den „Großen Rheinbacher Kutschenkorso“ mit internationaler Besetzung organisiert und neben der Rheinbacher Bevölkerung auch mehrere tausend begeisterte Besucher von außerhalb nach Rheinbach gelockt hatte. Mit seinen mehrspännigen Kutschfahrten und wie er da in schmucker, dem jeweiligen Anlass entsprechender Kutscherkleidung hoch oben auf dem Bock saß, wurde Fränzchen Mostert zu einem allgegenwärtigen und unvergesslichen Teil des Rheinbacher Stadtbildes; und so werden wir ihn sicher in Erinnerung behalten.

 

Gelegentlich konnte Franz Mostert auch durch ganz unvorhergesehene und unvorhersehbare Handlungen die Menschen überraschen, ja, förmlich aus der Fassung bringen. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an die Rheinbacher Debatte um die Namensfindung einer Straße im neuen Wohnviertel am alten Jahn-Sportplatz. Vehement setzte Franz Mostert sich dafür ein, dort eine Straße nach dem ehemaligen jüdischen Mitbürger Josef Geisel zu benennen, der sich Ende der zwanziger / Anfang der dreißiger Jahre sehr für den Rheinbacher Sport eingesetzt hatte, dann in der Nazi-Zeit  -als Jude-  allmählich mit den üblichen Mitteln schikaniert und ausgegrenzt worden war, ehe er schließlich (wie etwa 130 weitere Rheinbacher Juden) deportiert und ermordet wurde. Fränzchen hatte sich – übrigens ohne jedes falsche, jedes bloß „demonstrative“ und damit heuchlerische Pathos – ein natürliches Gefühl dafür bewahrt, dass man es diesem Mitbürger schuldig sei, ihm (wie Horst Mies es ausgedrückt hat) wenigstens seinen Namen zurückzugeben – und sei es durch eine Straßenbezeichnung. Wir wissen ganz sicher, dass dies seine Motive waren, denn er hat über diese Angelegenheit voller Anteilnahme mit uns gesprochen.

Dass er aber soweit gehen würde, das einmal für richtig Erkannte, aber im zuständigen Ratsausschuss noch nicht Durchgesetzte auch während einer Landsturmsitzung im Rahmen seiner Büttenrede als „Päädsköttel“ ganz „witzlos“ zu propagieren und zu forcieren, das hat selbst uns Landstürmer aus der Fassung gebracht. Fränzchens Appell gehöre - so der damalige, allgemeine Tenor - nicht in den Rahmen einer Landsturmsitzung. Dennoch hat er seine Wirkung auf uns, die Zuschauer und dabei sicherlich auch auf die Verantwortlichen in dieser Sache nicht verfehlt.

Franz Mostert hat uns allen damit gezeigt, dass ein lustiger, oft von der Schadenfreude lebender Landsturm und aufrichtiges, mitmenschliches Gefühl durchaus auch im Rahmen einer Karnevalssitzung zusammengehören.

Ein Grund mehr, unser "Fränzchen" nicht zu vergessen.

- Vielleicht wird ja auch nach ihm irgendwann in Rheinbach eine Straße benannt -

[Josef Muhr und Fred Paral]


Bonner Rundschau vom 16. Februar 2006

Nachruf General Anzeiger vom 27. November 2007